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04 Aug 5 gute Sachen, die du machen kannst, wenn du’s versiebt hast

Zuallererst stellt sich die große Frage: Wie definieren wir überhaupt einen Fehler?

2+3=6

Das ist falsch, richtig?

Was ist hiermit?
❀ ❀ +  ❀ ❀ ❀ ❀ = ❀ ❀ ❀

Oder damit?
✵✵ +  ❀ ❀ ❀ ❀=❁

Kommst du hier ins Grübeln? Überlegst du, welche Bedeutung hinter den Zeichen stecken könnte – außer ihrer Anzahl – sodass das Ergebnis doch Sinn macht? Hast du eine Erklärung gefunden, wieso das Ergebnis „richtig“ sein könnte? Das zeigt, dass du sehr schnell bereit bist, noch andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, wie man eine Situation beurteilen kann.

Die Worte Helfer und Fehler bestehen aus exakt denselben Buchstaben, einfach in unterschiedlicher Anordnung. Ein schönes Bild dafür, dass je nachdem, wie wir uns Fehlern gegenüber verhalten, sie uns niederschmettern oder weiterbringen können.

Der folgende „Fünf-Punkte-Plan“ macht aus Fehlern echte Helfer!

1. Akzeptieren

Wie fühlst du dich, wenn du merkst, dass du in der Bewerbung den Namen der Ansprechperson falsch geschrieben hast? Als würde dein Gehirn kurz zusammenschrumpfen, zu einem kleinen, heißen, unnützen Klumpen? Oder als dir klar wird, dass deine Kollegin gerade gehört hat, dass du am Telefon über sie gesagt hast, sie sei ein bisschen anstrengend und schusselig? Tosen tausende heißkalte Nadeln über deine Haut?

Nicht schön. Keine Frage.

Und es gibt eine Möglichkeit, es noch schlimmer zu machen.

Nämlich indem du Gedanken wälzt von „hätte ich doch“ oder „wäre doch nur“. Indem du dir mit jeder Faser deines Seins wünschst, es wäre nicht passiert.

Nichts ändert sich dadurch.

Akzeptiere, was passiert ist. Es ist nicht mehr zu ändern.

Atme tief durch und nimm es an.

2. Verantwortung übernehmen – nicht Schuld!

Du hast getan, was du getan hast. Gesagt, was du gesagt hast. Versäumt, was du versäumt hast. Du warst vielleicht unaufmerksam, übereifrig, gestresst, müde, überreizt, übermütig, leichtsinnig.

Du warst nicht voll und ganz „da“, hast nicht alle Folgen deines Handelns oder Nicht-Handelns überblickt.

Das ist alles.

Nicht mehr und nicht weniger. Du hast keine SCHULD auf dich geladen.

Vielleicht ist es angemessen, wenn du deinen Fehler zugibst und Verständnis dafür zeigst, dass die betroffene Person nicht besonders beglückt (oder verletzt ist oder wütend).

Meistens hilft das, die Situation zu vergessen. Aber im Staub herumkriechen musst du nicht.

Auch nicht innerlich.

3. Wenn wir Fehler machen, heißt das noch lange nicht, dass wir Fehler sind

Gehörst du zu den vielen Menschen, bei denen sich ein Gefühl von großer Verunsicherung bis hin zu Angst meldet, wenn ihnen ein Fehler unterlaufen ist?

Das kann daran liegen, dass bei einem Missgeschick sofort der Gedanke auftaucht „Ich bin ein Idiot“ (viele Menschen reden mit sich selbst so, wie sie niemals mit jemand anderem reden würden) anstatt vielleicht zu sagen „Ich habe nicht richtig aufgepasst“.

Das führt direkt zum nächsten Punkt.

4. Was statt Warum

Hilfreich ist die Frage: Was hat dazu geführt, dass ich nicht richtig aufgepasst habe? Was hat gefehlt, damit ich wach und mit Weitsicht und Mitgefühl handeln und reden kann?

Solche Fragen bringen dich auf die Spur, was dir ganz konkret in Zukunft helfen könnte, Fehler zu vermeiden. Du stellst vielleicht fest, dass du Emails nicht schreiben solltest, während jemand im selben Raum telefoniert. Oder du wirst dir darüber bewusst, dass du nach zwei Stunden vor dem Computer einen kurzen Spaziergang brauchst, damit du nicht überreizt wirst.

Das ist etwas ganz anderes, als Rechtfertigungen oder Ausreden zu suchen, um die Verantwortung abzuschieben.

Es geht um einen klaren Blick darauf, welche Umstände dazu führen, dass du unachtsam wirst.

Kann nur nützlich sein.

Die Frage hingegen „Warum habe ich denn bloß nicht besser aufgepasst?“ bewirkt bloß, dass man sich wieder unzulänglich fühlt.

Sie bringt a) das Schuldthema wieder auf: Du hättest besser aufpassen müssen und b) macht sie hilflos. Es gibt einfach keine Antwort auf diese Frage. Und c) behauptet sie, dass besser aufpassen das Bessere gewesen wäre.

Letztendlich wissen wir das aber gar nicht. Wer weiß, vielleicht führt der falsch geschriebene Name dazu, dass die Bewerbung überhaupt gelesen wird? Die Kollegin hört das Urteil „schusselig“, was das Fass zum Überlaufen bringt und sie kann – endlich – nicht mehr verbergen, dass sie völlig überlastet ist, weil sie ihre kranke Mutter pflegt.

5. Neu sehen

Manchmal gelingt das leicht, wie in dem Beispiel oben. Da erkennen wir sofort, dass das, was eben noch wie ein Fehler erschien, für etwas gut war.
Manchmal kriegen wir es kaum hin. Verzeihen uns etwas nicht. Oder anderen. Wir kriegen Punkt 1 des Fünf-Punkte-Plans nicht hin und können nicht akzeptieren, was ist. Wir betrachten etwas als Fehler, der nicht hätte passieren dürfen.

Das kann unendlich schmerzhaft sein. Es kann dem ganzen Leben einen Moll-Unterton verleihen. „Hätte ich doch nur nie geheiratet.“ „Hätte ich sie doch bloß gefragt, ob sie mich heiratet.“ „Hätte ich doch studiert.“ „Wäre ich doch nur auf’s Land gezogen.“

Lass es nicht soweit kommen, dass irgendein Ereignis in deinem Leben zum Haken wird, an dem dein Verstand sich aufhängt und denkt „Wenn das anders verlaufen wäre, dann hätte ich ein glückliches Leben führen können.“

Wir sehen das ganz große Bild einfach nicht.

Und in der Erkenntnis, wie klein unsere begrenzte menschliche Perspektive ist, liegt die Chance, über genau diese Begrenztheit hinauszuwachsen und mit dem Herzen zu begreifen, was für den Verstand nicht fassbar ist: Fehler gibt’s eigentlich gar nicht. Sie alle sind Helfer dabei, uns selber zu entdecken – und uns lieben zu lernen, genau so, wie wir sind.

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2 Comments
  • Gabriela
    Posted at 19:45h, 06 August Antworten

    Liebe Verena,
    ich finde deinen Artikel sehr schön beschrieben, um auch hier dieses ewig schnelle Hamsterrad mal zum stoppen zu bringen und zu reflektieren.
    Bestimmt sehr hilfreich um sich vieles an inneren Programmen bewusst zu werden.

    Liebe Grüße
    Gabriela

    • Verena Hirschmann
      Posted at 14:21h, 03 Dezember Antworten

      Liebe Gabriela, Danke für Dein Feedback! Ja, Bewusstwerdung ist alles… Herzlich, Verena

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