Wir brauchen nicht mehr vom Selben – wage deine Einzigartigkeit

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14 Dez Wir brauchen nicht mehr vom Selben – wage deine Einzigartigkeit

Ich schreibe vom Flughafen in Peking. Als ich den Flug nach Thailand buchte, wo mein Mann und ich Urlaub machen wollen, hatte ich die Wahl zwischen einem sehr günstigen Flug über Peking, einschließlich eines absurd langen Aufenthalts dort, und einem deutlich teureren Flug über einen anderen Flughafen.

Verheißung oder was?

Ich entschied mich für Peking. Nicht nur, um Geld zu sparen. Es begeisterte mich – China! Und wenn es auch nur der Flughafen sein sollte. Ich erinnerte mich an an den Flughafen Neu Delhi, wo Indien mich bereits auf dem Rollfeld mit dem Bild der Geste Namaste an der riesigen Mauer eines Flughafengebäudes grüßte. Ich dachte, wenn wir über Peking fliegen, bekomme ich eine winzig kleine Dosis China.
Es brauchte nicht eine Minute, um diese Illusion zu zerstören. Der Flughafen Peking könnte sich an jedem beliebigen (reichen) Ort der Welt befinden. Tatsächlich ist er dem Frankfurter Flughafen ziemlich ähnlich, wo wir unsere Reise begannen. Spiegelblanke Böden aus poliertem Granit, auf denen die Trolleys geräuschlos entlanggleiten. Überall Glas. Ein modernes Dach, beeindruckend, das Werk eines britischen Stararchitekten.
Eine kleine Hoffnung lag auf den Shops. Aber die sehen auch genauso aus wie die in Frankfurt. Swarovski, Estée Lauder, Lancome, Guerlain. Ein paar Marken, von denen wir noch nie gehört hatten, aber die Waren dort sind nicht wirklich anders.
Es gibt einen Shop mit chinesischem Porzellan, einen Stand mit Tee in kunstvollen Dosen. Wir biegen um die Ecke und es erscheint ein chinesischer Pavillon, mit einem flachen Teich, in dem sich Goldfische zwischen Lotuspflanzen aus Plastik tummeln. Der Rand des Beckens ist gesäumt mit Verneblern, die regelmäßig Wasser über dem Teich zerstäuben. Ich vermute, das soll den Eindruck von Magie vermitteln, aber es wirkt einfach nur kitschig. Es ist Plastik, nicht real. Es ist wie ein Abziehbild, wirkt aufgepfropft und irgendwie unehrlich. Als würde man sich eigentlich schämen dafür, es aber dennoch aufstellen, weil die Touristen das erwarten.

Vernünftig oder kühn?

Die Shops sind geradeheraus. Sie scheinen zu sagen: „Was ihr könnt, können wir schon lange.“ Und das ist wahr. Sie sind einfach ganz genauso wie die Shops in Frankfurt. Die Dekoration von Swarovski ist exakt dieselbe. Der chinesische Pavillon und die kunstvollen Teedosen wirken wie Folklore.
Ein Vorteil der Besessenheit davon, genau wie andere zu sein ist, dass es ein paar Ruheliegen gibt, für die wir zutiefst dankbar sind. Hier liege ich und schaue auf‘s Rollfeld. Ich sehe, wie eine Dragonair-Maschine abhebt, eine Air Asian landet, eine weiter Dragonair macht sich zum Start bereit.
Und ich denke an das Gespräch mit Anna aus Finnland vor ein paar Stunden. Sie ist eine 19jährige Studentin, die gern Schriftstellerin werden möchte, aber ihre Eltern denken, sie sollte erstmal „was Vernünftiges“ lernen, Lehrerin werden. Sie sagen, sie könnte nebenbei schreiben und ihren Job kündigen, wenn sie erfolgreich würde.

Weisheit der Jugend

Mit diesem Flughafen vor Augen denke ich, dass die Anstrengung, die Erwartungen anderer zu erfüllen, etwas sehr Lebensvolles zerstört: die Einzigartigkeit. Das, was nur China geben kann, ist hier nicht sichtbar. Hier ist Wiederholung, Imitation. Sogar der chinesische Pavillon ist eine Kopie. Hier gibt es nichts, das den Reisenden aus dem Westen überrascht, herausfordert oder inspiriert.
Irgendwie wünsche ich Anna, dass sie mutig genug ist, ihrer Leidenschaft zu folgen und ihrer Einzigartigkeit Ausdruck zu verleihen. Sie sagt, sie denkt, dass Liebe das Wichtigste im Leben ist. Ich stimme zu. Und erlaube mir hinzuzufügen, dass das Leben zu kurz ist, um zögerlich zu lieben. Wir sollten kühn lieben und leidenschaftlich der Stimme unseres Herzens folgen. Sie lächelt und ihre Augen leuchten. Viel Glück, Anna aus Finnland! Und ich möchte allen laut zurufen: Bleib dir selber treu! Eine Kopie wird kaum jemandes Herz entflammen.

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